Sakramente

Bedeutung des Sakraments der Ehe

Übernatürliches im Alltäglichen. Sakrament - das ist kein Wort unserer Umgangssprache. Ehe aber ist etwas Alltägliches. Bei einer Hochzeit in der Kirche kommt nun beides zusammen, Fremdes und Vertrautes.

Wenn eine Frau und ein Mann in der Kirche heiraten, dann wird ihnen durch die Gemeinschaft der Gläubigen, der Kirche, und zwar durch ihren amtlichen Vertreter, dem Priester, und durch die beiden Trauzeugen und die Festgemeinde deutlich gemacht, dass Gott in jeder Beziehung zugegen sein will. Nichts anderes, nicht weniger und nicht mehr, bedeutet das ungebräuchliche Fremdwort Sakrament.

Ein Sakrament ist ganz einfach ein Zeichen der Liebe Gottes zu uns Menschen. Seit vielen Jahrhunderten nennt die Kirche ein Sakrament ein sichtbares Zeichen einer unsichtbaren Wirklichkeit. Auf die Ehe bezogen bedeutet das, dass die Brautpaare im hörbaren Ja, das sie zueinander sprechen, etwas von der Liebe Gottes, die unsichtbar ist und bleibt, deutlich und erfahrbar machen.

Weil nun in der Liebe zueinander die Liebe Gottes erahnt und erspürt werden kann, sagt man oft, dass sich die Eheleute das Sakrament der Ehe selbst spenden, während die anderen Sakramente der Kirche vom Priester bzw. Bischof gespendet werden. Das kann aber nicht ganz richtig sein, denn was geschieht, wenn Eheleute sich nicht mehr lieben - und wie oft passiert das nicht in der heutigen Zeit? Geht mit der Liebe der Ehepaare auch der Segen und die Liebe Gottes verloren? Mitnichten. Gottes Liebe ist auch bzw. gerade dann gefragt, wenn eine Ehe in die Krise kommt, wenn Eheleute sich nicht mehr verstehen, wenn eine Ehe zu scheitern droht.

In dieser Situation können aber nicht die Eheleute selber füreinander zum Segen werden und Gottes Liebe erfahrbar machen, in dieser Situation ist die kirchliche Gemeinschaft gefordert. In solchen Zeiten brauchen Eheleute viel Verständnis für ihre Krisensituation, sie brauchen Menschen, die ihnen zuhören können und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. In solchen Zeiten muss sich bewähren, was die Theologen als wirksame Kraft eines Sakramentes bezeichnen: Die kirchliche Gemeinschaft muss zum Heile des Menschen wirksam werden, um dadurch Gottes Liebe zu uns konkret und spürbar zu machen

und zu halten. Bei der kirchlichen Hochzeit eines Paares verpflichtet sie sich dazu: Indem der Priester nach dem Ja-Wort des Paares seine Stola über die gefassten Hände der Brautleute legt und sie segnet, verspricht er dem Paar die Hilfe Gottes und seiner Gemeinschaft, der Kirche, zum Gelingen der ehelichen Beziehung.

Die Gemeinschaft der Gläubigen kann natürlich nur das unterstützen, was die Brautpaare selber wollen. Dass sie sich lieben und achten und in guten und schlechten Tagen zusammenhalten wollen, das versprechen sich die Brautleute deshalb, bevor sie den Segen der Kirche erhalten, und stecken sich zum Zeichen ihres guten Willens einander den Ehering an.

So ist also das Sakrament der Ehe eine Sache des Brautpaares und der kirchlichen Gemeinschaft zugleich. Hinter allem aber steht natürlich die übernatürliche göttliche Lebenszusage.

„Zu einem Leben in Frieden sind Ehepaare“ berufen schreibt der Heilige Paulus in einem Brief, doch der Evangelist Johannes meint, Leben allein sei nicht genug und fügt quasi hinzu, dass Gott möchte, dass wir ein erfülltes Leben, ein Leben in Fülle haben. Wir Menschen sollen Werkzeug sein. Gott aber ist hierzu die unsichtbare Quelle und ihr Garant. Er ist und will in unserem alltäglichen menschlichen Miteinander immer gegenwärtig sein. Nichts anderes als die Zusage der Gegenwart Gottes in der ehelichen Beziehung bedeutet daher - wie alle anderen Sakramente auch - das Sakrament der Ehe.

 

Quelle: „Ehe- & Familienarbeit in der Gemeinde“ – eine Arbeitshilfe des bischöflichen Generalvikariats Aachen,

            S. 101, Autor: Conrad M. Siegers