Sakramente

11 Thesen zum religiösen Verständnis der Ehe

1.       Es gibt keine christliche Ehe, sondern nur Ehen von Christen. Erst das Verhalten zueinander und zu anderen machen eine Ehe zu einer christlichen Ehe.

 

2.       Die bewusst christlich gelebte Ehe unterscheidet sich von anderen Ehen vor allem in der unterschiedlichen Deutung der Erfahrungen, die Mann und Frau in ihrer Ehe machen.

 

3.       Verhalten und Deutung der Ehen unter Christen müssen sich orientieren am Evangelium und am Vertrauen auf Gott.

 

4.       Die Ehe unter Christen ist unter folgenden Bedingungen unauflöslich: Aus freien Stücken geben sich zwei ehe- und liebesfähige Partner einander vor der kirchlichen Gemeinschaft das Versprechen, ihr Leben gemeinsam in lebenslanger gegenseitiger Treue und Achtung zu gestalten.

 

5.       Die neutestamentliche Forderung der Unauflöslichkeit der Ehe ist ein Ideal, das - wenn es verwirklicht wird - zum Glück der Ehepartner beiträgt; denn es begründet eine dauerhafte Liebesgeschichte, die von der kirchlichen Gemeinschaft mitgetragen wird, gibt die Chance, Konflikte auszutragen, und soll verhindern, vor Schwierigkeiten zu fliehen.

 

6.       Wenn eine eheliche Beziehung scheitert, ist das bedauerlich für alle Seiten, bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass beide Ehepartner sich unsittlich verhalten haben. Die Ursachen für das Scheitern können auch außerhalb des Machbaren und Verantwortbaren liegen.

 

7.       Wo die Liebe ist, da ist Gott. Wenn Eheleute sich lieben, wird darin die Liebe Gottes zu uns Menschen erfahrbar. Das bedeutet allerdings nicht, dass Gott abwesend ist, wenn Mann und Frau sich nicht lieben. Gott ist immer anwesend, seine Gegenwart ist jedoch nur im zwischenmenschlichen Liebesverhältnis spürbar.

 

8.       Wenn zwischen Eheleuten Gott sichtbar wird in ihrer gegenseitigen Zuneigung, dann ist das ein Zeichen (Lichtblick) für die weitaus größere Liebe Gottes. Deshalb bezeichnen wir die eheliche Liebe als Sakrament.

 

9.       Wer die Erfahrung gemacht hat, geliebt zu sein, möchte immer geliebt werden. Die Sehnsucht nach  dauerhafter Liebe kann Liebestaten provozieren. Das findet Gott gut. Darin besteht die Wirksamkeit des Sakramentes. Mit anderen Worten: Gott wirkt durch die Liebe der Menschen.

 

10.   „Wovon das Herz voll ist, davon quillt der Mund über.“ Die besonders intensiven Erfahrungen der Liebe wollen besprochen werden - mit anderen und mit Gott. Das macht sie noch wertvoller.

 

11.   Keiner liebt zu zweit allein. Die Liebe zweier Menschen braucht die Unterstützung anderer: Familie, Freunde, Gruppen, Gemeinde. Die Liebe ist wie ein Netz, von dem man nur gehalten wird, wenn viele es mitknüpfen und mitspannen.

 

 

Quelle: „Ehe- & Familienarbeit in der Gemeinde“ – eine Arbeitshilfe des bischöflichen Generalvikariats Aachen,

            S. 102, Autor: Conrad M. Siegers